Verpfiffen

Hier rezensiere ich Werke von Kollegen

Unter Autoren-Kollegen sollte das Verb "verpfeiffen" meiner Meinung nach eine alternative Bedeutung bekommen. Ich meine: Wenn man Kollegen verpfeifft, so tut man ihnen etwas Gutes, denn man rezensiert ihre Bücher.

 

An dieser Stelle verpfeiffe ich also einige meiner Komplizen und meine es nur gut mit ihnen. Todsicher. Meine Rezensionen erscheinen hier, in meinem Blog sowie bei Amazon und Lovelybooks.

 

Auch ein krimineller Komplize, aber noch nicht verpfiffen worden von mir? Dann einfach ein Rezi-Exemplar schicken (Adresse siehe Impressum) und abwarten. Ich verpfeiff dich - todsicher!

Überzeugendes Erstlingswerk - absolut lesenswert

 

Ausgeweidet

von Brigitte Lamberts & Annette Reiter

 

 

Die Schlagzeile zu „Ausgeweidet“ könnte lauten: Mit Beharrlichkeit und einer Portion Glück gelingt dem Kommissar und seinem Team die gleichsam schwierige wie verblüffende Aufklärung eines perfiden Mordfalls.

Der Inhalt des Kriminalromans in aller Kürze:

Ein Jogger wird erschossen, ausgeweidet und entmannt im Grafenberger Wald in Düsseldorf gefunden. Die Identität des Opfers ist zwar schnell geklärt, doch ein Unwetter hat viele Spuren des Täters beseitigt. Trotz umfangreicher Ermittlungen gerät die Aufklärung des Falls ins Stocken, sodass der Kommissar mit den Methoden der Fallanalyse die Handschrift des Täters zu entschlüsseln sucht. Der Regionalkrimi zeigt nicht nur die authentische, kriminalistische Fallbearbeitung, bei der der Leser dem Kommissar und seinem Team über die Schultern schaut, sondern behandelt ein Thema, das aufgrund seiner unfassbaren Grausamkeit tief unter die Haut geht.

Meine persönliche Wertung:

Wer Krimis mag, die realistische Polizeiarbeit zeigen und ohne „Cobra-11“-Akkrobatik oder „Charlotte-Lindholm-konterminiert-im-Alleingang-den-Tatort-denn-ein-weißer-Overall-steht-ihr-nicht“-Gaukelei auskommen und dennoch eine spannende Geschichte erzählen, wird diesen Krimi lieben! Todsicher. Das Buch zeigt ungefärbt den echten Berufsalltag bei einer Mordermittlung. Das Detailwissen des Autorenduos wirkt dabei keine Spur zu dozierend.

Kurze Kapitel sowie eine einfache Sprache in knappen Sätzen, von denen jeder einzelne perfekt sitzt, ermöglichen eine hohe Erzählgeschwindigkeit. Kurzweil und gute Unterhaltung sind das Ergebnis, obschon ein weiterer Handlungsstrang der Geschichte gut getan hätte. Die Erzählung ist geradlinig – nach Prolog und Leichenfund wechseln Zeugenbefragungen und Besprechungen im Ermittlerteam, ehe es zur Aufklärung des Falls kommt. Insoweit folgt sie dem klassischen Muster eines Ermittlerkrimis. Klassisch sind auch Prolog und Epilog, die einen spektakulären Rahmen bieten und die barbarischen Abgründe des Falls beschreiben.

Die Situationen, in denen sich das Ermittlerteam immer wieder austauscht, helfen nicht nur den Kriminalbeamten, „auf der Spur“ zu bleiben, sondern auch dem Leser, die Orientierung im Fall beizubehalten. Wobei die Autorinnen mit weit über 40 Namen bzw. Figuren im Roman des Lesers Namensgedächtnis gut auf Trapp halten. Gut im Gedächtnis bleiben mir auf jeden Fall die beiden Protagonisten – die KHK Clemens von Bühlow und Maria Esser. Wo andere Subgenre-Krimis aufgrund reichlicher Action die Tiefenschärfe der Figuren vernachlässigen, lernt man in „Ausgeweidet“ die beiden Kommissare auch persönlich ein wenig kennen. Und man findet sie auf Anhieb sympathisch. „Sie verstehen sich gut“, beschreiben die beiden Autorinnen nicht nur, sondern lassen ihre Protagonisten auch entsprechend handeln. Mal ist es eine kollegiale Frotzelei (wenn Clemens beispielsweise mal wieder Umwege durch Düsseldorf fährt), mal sind es gemeinsame Mahlzeiten, bei denen man das Nützliche mit dem Angenehmen verbindet. Dass solche Situationen zunächst noch ein wenig oberflächlich wirken, mag daran liegen, dass es sich bei dem Kriminalroman um das Erstlingswerk des Autorenduos Lamberts/Reiter handelt. Aber keineswegs, weil es handwerklich schlecht wäre – das Gegenteil ist der Fall –, sondern weil der Schwerpunkt der Erzählung auf dem Fall liegt. Ich bin sicher, dass diesem gelungenen Debüt noch weitere von Bühlow/Esser-Krimis folgen werden und man so die Möglichkeit haben wird, die Protagonisten besser kennenzulernen.

Doch was macht dieses Erstlingswerk so mutig? Haben die beiden Autorinnen Mut bewiesen, als sie einen weiteren Regionalkrimi aus Düsseldorf vorlegten? Vielleicht auch, aber viel mutiger finde ich es, dass sie ihrem Protagonisten Clemens von Bühlow Irrwege und Sackgassen, falsche Ermittlungsergebnisse und bisweilen auch persönliche Unsicherheiten zugestehen. Wie im echten Polizeialltag häufig, so kommt auch hier im Roman Kommissar Zufall zu Hilfe. DAS ist es im Kern, was die Authenzität dieses Krimis ausmacht! Von Bühlow ist zwar erfahrener Kripo-Beamter, aber auch (noch) Mensch. Und beide können Fehler machen. Ich finde es sehr mutig und ausgezeichnet gelungen, die Hauptfigur nicht zum unfehlbaren Superermittler zu stilisieren – wie es leider allzu häufig bei Jungautoren vorkommt –, sondern durch die Fehlbarkeit des Kommissars einen ungeschönten, aber authentischen Blick hinter die Kulissen der Ermittlungsarbeit zu gewähren. Alles echt eben.

Mein Fazit:

Dem Autorenduo Lamberts/Reiter aus Düsseldorf gelingt mit „Ausgeweidet“ ein temporeiches, authentisch dargestelltes Krimi-Debüt, das auf faszinierende Weise aus der Schar der Neuerscheinungen positiv heraussticht.

Für den Mut, den die beiden Autorinnen bewiesen haben, vergebe ich das volle Magazin an Punktzahl. Und zusätzlich sechs Schuss in die Hand, für alle Fälle …

 

Ausgeweidet

edition oberkassel Verlag
ISBN: 978-3-943121-38-4
ca. 220 S. – 19,0 x 12,0 cm
(D) 11,99 € (A) 12,40 € (CH) SFr. 17,90
1. Auflage 2014 Ende Januar erschienen



© Andreas Kaminski („Kriminalinski“), Cloppenburg 2014

Hartmann - du bist ein Teufelskerl!

 

Auf die harte Tour

von Klaus Stickelbroeck

 

Rezension

 

Eine durchzechte, wilde Nacht in der Stammkneipe, sicherlich mehr als nur einen Drink zu viel und die falsche Frau erst angegraben und dann mit nach Hause genommen - so beginnt der vierte "Hartmann", der neueste Krimi von Klaus Stickelbroeck. Wer die vorherigen drei Krimis um den smarten Düsseldorfer Privatermittler Christian Hartmann kennt, der weiß: jetzt hat es der Schnüffler eine Spur übertrieben! Nach den ersten Zeilen ahnt man bereits: es wird heiß für Hartmann. Vielleicht zu heiß. Denn zu allem Übel hatte Hartmann, neben seiner nächtlichen Eroberung, noch einen weiteren weiblichen Übernachtungsgast. Eine Blondine. Und die wird kurz darauf ermordet aufgefunden, mit Hartmanns Visitenkarte in der Tasche. Schöner Schlamassel. Zum einen ist der Kerl der Braut, die Hartmann abgeschleppt hat, der Boss einer Rocker-Gang. Mit Reden hat der es nicht so, er lässt lieber die Fäuste sprechen. Zum anderen ist die Polizei hinter Hartmann her. Hartmann plagt aber auch das schlechte Gewissen. Hätte er der Blondine helfen können? Immerhin hatte sie ihn im Büro aufgesucht. Doch an mehr kann sich Hartmann nach der hemmungslosen Nacht nicht erinnern. Völliger Blackout, Filmriss. Und so nimmt er die Ermittlungen auf. Ehrensache. Doch auf was er sich da einlässt, ahnt er nicht.

Der vierte Hartmann knüpft an einigen Stellen an den Vorgänger "Fischfutter" an. Herrlich gezeichnete Figuren tauchen wieder auf - Regenrinnen-Rita, Düsseldorfs einzige Rotlichtdame im 2-Meter-Format, hält von oben wie immer die Augen offen und Angie, Hartmanns Kumpel aus dem Drogenmilieu, erweist sich erneut als einer seiner zuverlässigsten freien Mitarbeiter, um nur zwei zu nennen. Der Plot von "Auf die harte Tour" ist im Vergleich zu seinen Vorgängern noch temporeicher, noch handlungsgetriebener und natürlich viel hartgesottener, ohne an Witz und Charme zu verlieren. Das gefällt mir besonders gut. Der Humor und der Wortwitz, mit dem der Autor auch diesen Krimi wieder würzt, harmoniert auf das Vortrefflichste mit der härteren Gangart, die er einschlägt. Man erkennt zweifelsohne die bewusst gesetzten Hardboiled-Tendenzen: es wird gesoffen, geprügelt, geschossen, verführt, verfolgt, gefangen genommen und befreit. Der Leser weiß nie mehr als Hartmann selbst. Er begleitet seinen sympathischen Helden durch den ganzen Schlamassel und möchte ihm zur Seite stehen oder zumindest den Rat geben: Pass auf, fass das nicht an, du verbrennst dir die Finger! Und rums, es klatscht. Und nicht nur Beifall. Und von allen Seiten dazu. Stickelbroeck lässt seinen Helden - gegen sich und seine Gegner - härter werden. Hartmann nimmt die Gesetze der Straße und des Milieus an, ohne sie freilich zu übertreten. Er ist ganz im Stile seiner berühmten Genre-Kollegen Sam Spade und Philip Marlowe sensibel und bisweilen nachdenklich, aber stets loyal und moralisch integer.

Als bekennender Hardboild-Fan kommen mir die Polizeibeamte zu gut weg. Sie haben Hartmann zwar im Visier, doch längst nicht an den Eiern. Für meine Begriffe hätte mindestens einer von ihnen korrupt sein dürfen, mit der Unterwelt verbandelt. So stünde der Detektiv noch massiver unter Beschuß. Aber das ist Geschmackssache und lässt die Geschichte nicht weniger spannend und actionreich daher kommen. Für die 266 Seiten bester Krimiunterhaltung gebe ich das volle Magazin an Punktzahl. Und noch 6 Schuss extra für die Hosentasche.

KLAUS STICKELBROECK
Auf die harte Tour
Kriminalroman aus Düsseldorf
Taschenbuch - 268 Seiten ISBN 978-3-942446-37-2 - 9,50 Euro

Ab Oktober in deinem Kopfkino

Alibis

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Alibi für Cappeln  (21.10.2017)

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