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Nürnberger Himmelfahrtskommando

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Nürnberger Himmelfahrtskommando

 

 

„Heid reengds wider Käibadzn“, bemerkte Liselotte Weppenfitz, als starker Regen große Tropfen an die Fensterscheibe drückte. Die siebzigjährige Fränkin, gebürtig aus Nämberch, reichte ihrem Mann Elmar, einem sich stets langsam und entspannt artikulierenden Westfalen, ein Weizen.

„Hm“, antwortete Elmar dickfellig und hatte auch nach dreißig Ehejahren noch immer nicht so richtig verstanden, was seine Frau von ihm wollte. Diese setzte das Gespräch daher in Hochdeutsch fort: „Ich bin nominiert!“

Liselottes Stimme jubilierte.

Ihr Mann hatte mittlerweile begonnen, sein Bierglas zu füllen. Er schüttelte und rollte die Weizenbierflasche, damit sich die Hefe vom Flaschenboden löste, und antwortete seiner Frau brav, ohne aufzusehen: „Hm …“

„Ich bin nominiert!“, wiederholte diese und fuhr aufgeregt fort: „Für den Nämbercher Lidderadur-Breis!“ Elmar fuhr der Schreck in die Glieder. Er verpasste der Flasche ungewollt einen leichten Drall, wodurch die das Weinglas seiner Frau wegfegte. Der Inhalt des 2002-er „Fratzenschneiders“, wie der überzeugte Biertrinker den Lieblingswein seiner Gattin nannte, landete ungewollt in deren Teller.

„Zehn Jahre bin ich nun Mitglied im Nürnberger Autorenforum, Elmar. Zehn Jahre! Und endlich haben sie mich nominiert!“ Liselotte Weppenfitz wischte sich eine Träne aus dem Gesicht. „An Himmelfahrt ist die Preisverleihung und es sind mit mir zehn Kandidaten, Elmar. Bis Himmelfahrt müssen wir noch zittern, Bärchen …“

Bis Himmelfahrt zittern? Bärchen zitterte bereits die letzten zehn Jahre, in denen seine Gattin sich mehr schlecht als recht als Krimiautorin versuchte. Liselotte veröffentlichte als großer Mel Gibson Fan Regionalkrimis unter dem Pseudonym „Lisl Weppen“ bei einem unbekannten Verlag. Die Kleinauflage kaufte Elmar Stück für Stück auf. Er ließ sie in dem Glauben, ihre Krimis kämen gut an. Das war für alle Beteiligten das Beste, fand er. Zudem verfluchte er den Tag, an dem er einem arbeitslosen Literaturkritiker ein paar Euro dafür gab, dass dieser einen PR-Bericht über die „Grand Dame des fränkischen Regionalkrimis“ schrieb. Zehn Kriminalromane, jedes Jahr einen, in denen Lisl Weppen an die vierzig Mordopfer in der Fränkischen Schweiz verteilt hatte. Ihre Regionalkrimis waren die fränggische Antwort auf die Eifelkrimis des weißhaarigen Pfeifenrauchers.

„Freust du dich für mich, Elmar?“

„Doch.“

Und wie …, dachte Elmar, … und wie ging es jetzt weiter? Offenbar hatte die Jury des Nürnberger Autorenforums ein Einsehen mit seiner Frau gehabt. Bei ihrer Nominierung war wohl an so etwas wie an den Preis für das Lebenswerk gedacht worden. Und den gab es schließlich immer am Ende des selbigen, was auch gut war. Ein neuer Plan musste nun her, überlegte Elmar Weppenfitz, ein guter, neuer Plan …

 

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